Lexikon englischer Insolvenz-Fachbegriffe

Hier finden Sie ein Lexikon der wichtigsten Fachbegriffe rund um das englische Insolvenzverfahren

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Ein Beschluss des Insolvenzgerichts, der dem Schuldner auferlegt, monatliche Zahlungen an den Insolvenzverwalter und damit an die Gläubiger zu leisten. Das Gericht bildet für jeden Gläubiger eine Quote entsprechend der Höhe seiner Forderung. Zahlungen sind an den Insolvenzverwalter zu leisten.
Eidesstattliche Versicherung, also eine Aussage, die man unter Eid geleistet. Man schwört, dass die Aussage vor Gericht der Wahrheit entspricht. Beispiel: Bei der Abgabe des Bankrott-Antrages muss der Schuldner schwören, dass er den Antrag richtig und vollständig ausgefüllt hat. Das Affidavit kann von einem Notar, einem Rechtsanwalt oder vor einer Amtsperson des Gerichts geleistet werden.
Das ist das Eigentum bzw. die Vermögenswerte, die ein Schuldner während des Insolvenzverfahrens erlangt (d. h. in der Phase zwischen Eröffnungs- und Restschuldbefreiungsbeschluss). Das während des Insolvenzverfahrens erworbene Vermögen muss der Schuldner verwerten und an die Gläubiger nach Quote verteilen. In die Kategorie fallen zumeist Erbschaften, unerwartete Gewinne oder Lotteriegewinne. Kommt also so gut wie nie vor.
Entspricht der deutschen Insolvenzanfechtung: Nicht kongruente Deckungsgeschäfte wie beispielsweise unterbewertete Geschäftsabschlüsse oder Bevorzugungen einzelner Gläubiger (z.B. eine Maschine im Wert von 1.000 GBP wird für 100 GBP an den befreundeten Gläubiger verkauft) darf der Insolvenzverwalter rückgängig machen. Allerdings gibt es im englischen Recht keine rückwirkenden Anfechtungsfristen. Während der deutsche Insolvenzverwalter derartige Geschäfte bis zu einem Jahr rückwirkend zerstören kann, beschränkt sich das Anfechtungsrecht nach englischem Recht nur auf Geschäfte ab Eröffnungsbeschluss und die Anfechtung ist nur auf Antrag eines Gläubigers möglich.
Das sind alle Vermögenswerte, die einer Person gehören. Das Gegenteil von assets ist liability (Verbindlichkeit).
[hr] B
Gerichtsvollzieher. Dieser handelt für das Finanzamt oder einem Gläubiger, der sich ein vollstreckbares Gerichtsurteil ( county court judgement) verschafft hat. Im Gegensatz zu deutschem Recht, das einen gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss voraussetzt, darf der Gerichtsvollzieher die Wohnung des Schuldners jederzeit betreten und pfändbare Vermögensgegenstände beschlagnahmen, um sie zu veräußern.
Zahlungsunfähige Person – als Substantiv bezeichnet es einen einzelnen Schuldner, gegen den das Gericht einen Insolvenzbeschluss erlassen hat. Als Adjektiv bedeutet es: zahlungsunfähig. Eine zahlungsunfähige Person, welche das Insolvenzverfahren durchlaufen und die Restschuldbefreiung erhalten hat, nennt man „discharged insolvent“, d. h. ein restschuldbefreiter Zahlungsunfähiger. Vor Erteilung der Restschuldbefreiung nennt man diese Person „undischarged bankrupt“. Nur Privatpersonen können restschuldbefreit werden. Zahlungsunfähige Unternehmen hingegen werden liquidiert oder verwaltet.
Gerichtsbescheid, der bestätigt, dass ein Schuldner nicht in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten zu begleichen. Dieser Bescheid gestattet den Gläubigern die Wegnahme und Verwertung von Vermögenswerten im Eigentum des Schuldners. Allerdings gibt es auch im englischen Recht Pfändungsgrenzen. Von der Wegnahme ausgeschlossen ist unpfändbares Eigentum zum bescheidenen Lebensunterhalt. Nachdem der Schuldner das Insolvenzverfahren durchlaufen hat, erhält er automatisch die Restschuldbefreiung, es sei denn, er hat sich fehlverhalten oder er hat bereits ein Insolvenzverfahren durchlaufen.
Ein Gerichtsbescheid, der nach Fehlverhalten des Schuldners die vorbehaltlose Erteilung der Restschuldbefreiung einschränkt. Der Bescheid ist weit über den zeitlichen Rahmen einer gewöhnlichen Privatinsolvenz hinaus gültig. Der Bescheid kann zwischen zwei und 15 Jahren in Kraft bleiben, abhängig von der Schwere des Verstoßes.
Rechtsverletzung / Verstoß – ein juristischer Ausdruck für „etwas brechen“ (ein Gesetz, ein Versprechen o. ä.). Handeln Sie in diesem Sinne, werden Sie als „to be in breach“ oder einfach nur als „in breach“ bezeichnet, als jemand, der gegen etwas verstoßen hat.
[hr] C
Eine Forderung, die sich auf Eigentum oder andere Vermögenswerte bezieht und der nachgekommen werden muss, bevor andere Ansprüche berücksichtigt werden, beispielsweise eine Hypothek auf das Eigenheim.
Anspruch eines Gläubigers gegen den Schuldner. Üblicherweise werden Ansprüche gegen den Schuldner geltend gemacht, indem der Gläubiger ein amtliches Formular ausfüllt und bei Gericht einreicht. In dem Formular erklärt der Gläubiger, was er von dem Schuldner möchte (meist das geschuldete Geld) und beantragt einen Urteilsspruch zu seinen Gunsten.
Amtsgerichtsurteil, also eine gerichtliche Entscheidung darüber, ob ein Schuldner wirklich die Summe Geld schuldet, die ein Gläubiger von ihm fordert. Ein „CCJ“ ist eine Staatsurkunde und damit eine ernstzunehmende Angelegenheit: Bereits ein einziger „CCJ“ beschädigt Ihre Kreditwürdigkeit.
Kreditwürdigkeit – eine Einschätzung darüber, zu welcher Risikogruppe Sie gehören. Dabei kommen verschiedene Kriterien zum Tragen.
Gläubiger – eine Person oder eine Gesellschaft, der Geld geschuldet wird.
Schulden gegenüber dem Staat – Geld, das dem Staat geschuldet wird. Normalerweise sind das Steuern (Einkommenssteuer, „VAT“/ Umsatzsteuer u. ä.) oder eine staatliche Sozialversicherung.
[hr] D
Schulden, d. h. das, was jemand einem anderen schuldet. In der englischen Insolvenzsprache sind „debt“ nicht die Verbindlichkeiten des Schuldners, sondern seine Forderungen gegen Dritte. „Debt“ ist also das Geld, das der Schuldner noch von Dritten bekommt und nicht die eigenen Schulden. Dieser Begriff bringt mitunter sogar Fachleute durcheinander.
„Debtor“ bedeutet in der Umgangssprache zwar einfach nur „Schuldner“. Aber in der englischen Insolvenzterminologie ist damit eine Person oder Unternehmen gemeint, die dem Schuldner Geld schuldet, also eine Forderung des Schuldners gegen Dritte. Beispiel wären Ansprüche des Schuldners aus Auszahlung einer Versichungsprämie oder der Schuldner hat einem Freund ein Darlehn gewährt.
Versäumnis/Verzug Mitteilung – die Aussage eines Gläubigers, dass der Schuldner den vereinbarten Zahlungen nicht nachgekommen ist, verbunden mit einer Zahlungsaufforderung. Wie im deutschen Recht wird der Zahlungsverzug in einer „Schufa“ gespeichert und beschränkt die Kreditwürdigkeit.
Vertragsverletzung – das Nichterfüllen einer Zusage, ein Vertragsbruch. disbursements Ausgaben, Kosten: das Geld das ein Experte wie z. B. ein Anwalt oder ein staatlich anerkannter Insolvenzverwalter im Namen des Schuldners auszahlen muss. Typische Kosten sind Gerichtsgebühren.
Damit ist die Erteilung der Restschuldbefreiung gemeint, also die Entlastung von den Schulden. Im englischen Recht erhält man die Restschuldbefreiung automatisch 12 Monate nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
pfänden, das heißt den Gerichtsvollzieher zu beauftragen, um das pfändbare Vermögen des Schuldners zu beschlagnahmen und zu verwerten.
Damit ist der Erlös nach Verwertung der Insolvenzmasse gemeint, der nach Abzug der Verfahrenskosten an die Gläubiger nach deren Quote ausgeschüttet wird. Entspricht dem deutschen Insolvenzrecht.
[hr] E
Einspricht dem deutschen Zwangsvollstreckungsverfahren, das der Gläubiger nach Erstreiten eines gerichtlichen Titels gegen den Schuldner einleitet. Nach englischem Recht benötigen folgende Gläubiger keinen gerichtlichen Titel: Vermieter, Finanzamt („Inland Revenue“) oder die Zoll- und Steuerbehörde („HM Customs & Excise“).
Das sind gesicherte Forderungen, wie beispielsweise ein Darlehn, das mit einer Hypothek abgesichert ist oder ein Darlehn zur Finanzierung eines sicherheitsübereigneten Autos.
Hat der Schuldner sich zu einem Kredit zu unlauteren Konditionen (Wucher) verpflichtet, kann der Insolvenzverwalter dieses Geschäft für ungültig erklären.
[hr] F
Einreichen – ein Schriftstück zum Gericht bringen oder es dorthin senden.
[hr] I
Ein Gerichtsbeschluss, in welchem das pfändbare Einkommen festgesetzt wird, das der Schuldner an den Insolvenzverwalter und damit an die Gläubiger abtreten muss.Wie im deutschen Recht darf der Schuldner den pfändungsfreien Einkommensteil zur bescheidenen Lebensführung behalten (basic domestic needs). Das darüber hinausgehende Einkommen muss nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss an den Insolvenzverwalter abgeführt werden. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird die Insolvenzbehörde das Einkommen und die Ausgaben des Schuldners überprüfen. Dann wird entschieden, ob überhaupt und wenn ja, in welcher Höhe, das Einkommen abgeführt werden muss. Der Gerichtsbeschluss über die Festsetzung des abzuführenden Einkommens (income payments order) gilt stets für drei Jahre, auch wenn der Schuldner gemäß Enterprise Act 2002 bereits nach einem Jahr die Restschuldbefreiung erhält.
Entspricht dem gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren nach deutschem Recht: Unter der Aufsicht des Insolvenzgerichts / Insolvenzbehörde findet ein Vergleich mit den Gläubigern statt, zumeist ein Ratenzahlungsplan mit teilweisem Forderungsverzicht.
Entspricht dem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren nach deutschem Recht: Der Schuldner vergleicht sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich in Form einer Einmalzahlung oder Ratenzahlung bei teilweisem Forderungsverzicht.
Das bedeutet, entweder zahlungsunfähig. Zahlungsunfähig ist man, wenn man nicht mehr dazu in der Lage ist, die fälligen Schulden zu begleichen.
[hr] J
vollstreckbare Ausfertigung eines Amtsgerichtsurteils (CCJ), aufgrund dessen der Gläubiger in das Vermögen des Schuldners vollstrecken darf.
[hr] L
staatlich anerkannter Insolvenzverwalter. In England muss das nicht unbedingt ein Anwalt sein, es reicht die Ernennung durch den Berufsverband (recognised professional body) oder eine „entsprechende Instanz“ wie „Law Society“, „Institute of Chartered Accountants“, „Insolvency Pracitioners Association“ oder „DTI“. „Licensed Insolvency Practitioner“ wird manchmal mit „LIP“ oder „IP“ abgekürzt.
Pfandrecht, so wie im deutschen Recht: Mit der Pfändung erwirbt der Gläubiger das Recht, das Eigentum des Schuldners an einer Sache so lange festzuhalten, bis die Schulden beglichen sind. („Ich werde Ihren Wagen solange behalten, bis Sie die Rechnung für die Reparatur bezahlt haben“). Ein Pfandrecht kann auch eine Art Belastung auf Grundeigentum (Grundpfandrecht) zu Gunsten eines Gläubigers sein, dem es erlaubt ist, das Grundeigentum zu verkaufen und das Geld dazu zu benutzen, die Schulden zu begleichen.
Wie im deutschen Recht ist nur für Privatpersonen das Bankrottverfahren mit anschließender Restschuldbefreiung vorgesehen. Juristische Personen wie z. B. limited companies werden in der Regel per Liquidationsverfahren abgewickelt: Beschlagnahme und Verwertung allen Gesellschaftsvermögens und Verteilung an die Gläubiger.
[hr] N
Im Sinne des Insolvenzrechts ist das eine vom Schuldner ernannte neutrale Person, die mit den Gläubigern einen außergerichtlichen Schuldenvergleich aushandeln soll.
[hr] O
Ein Beamter der Insolvenzbehörde, der Bankrottverfahren abwickelt. Der official receiver ist nicht der Insolvenzverwalter. Vielmehr wird der Insolvenzverwalter vom official receiver bestellt, wenn der Schuldner über verwertbares Vermögen oder Einkommen verfügt.
[hr] P
Persönliche Zustellung – die persönliche Zustellung eines wichtigen Dokuments, indem man es bei dem Empfänger hinterlässt, da es so vom Gesetz gefordert wird.
Gesuch – ein Antrag ans Gericht (in unserem Zusammenhang ist ein Schuldner gemeint, der darum bittet in die Insolvenz gehen zu können). Das Verb lautet „to petition“ (eine Eingabe machen) und die Person, die in diesem Sinne handelt, nennt man „petitioner“ (Bittsteller / Antragssteller).
Bevorrechtigte Schulden – Schulden, die vorrangig befriedigt werden, im englischen Recht beispielsweise Arbeitslöhne.
Antrag – ein rechtsgültiges (gesetzliches) Dokument, das für die Gläubiger im Falle eines „IVA“ (eines außergerichtlichen Verfahrens) die Bedingungen absteckt, die den Schuldner betreffen.
[hr] R
verwerten – die Vermögenswerte einer insolventen Person oder eines Unternehmens verkaufen, um mit dem Geld Gläubiger bezahlen zu können. recognised professional body Anerkannter Experte – Ein „recognised professional body“ hat den Segen des „Secretary of State“ (der Regierung). Diese Mitarbeiter sind entsprechend qualifiziert und amtlich zugelassen als Insolvenzverwalter zu agieren.
[hr] S
Sicherheit / Pfand / Bürgschaft – in unserem Zusammenhang ist etwas gemeint, woran der Kreditgeber / der Gläubiger festhalten kann, sollten die Schulden nicht beglichen werden. Ein Hypothekgeber erhält das Haus als Sicherheit.
Einen Anspruch oder ein Gesuch abweisen oder diesen nicht berücksichtigen.
Gesetzliche Aufforderung – eine formelle Aufforderung Schulden zu begleichen, als erste Stufe eines Insolvenzverfahrens.
Aufsichtsperson/Aufsichtsbeamter – eine ernannte Person, die die Leitung eines „individual voluntary arrangement“ (außergerichtlicher Vergleich) übernimmt. Diesem Vergleich muss die erforderliche Mehrheit der Gläubiger zugestimmt haben.
[hr] T
Benachrichtigung über Pfändung eines Kontos – ein Schreiben, dass eine Firma Ihr Konto geschlossen hat, weil sie behauptet, dass Sie Ihre Rechnungen nicht bezahlt haben. Tatsächlich kann eine Firma Ihr Konto schließen ohne den Schuldner zu benachrichtigen.
Insolvenzverwalter (Treuhänder / Sach- / Verwalter) – die Person, die die Vermögenswerte eines Konkursschuldners verwaltet und veräußert. Die Erlöse verteilt er an die Gläubiger.
[hr] U
Nicht abgesicherter Gläubiger – die arme Seele am Ende der Schlange derer, die bezahlt werden wollen. Dieser Gläubiger hat keinerlei Sicherheiten (wie z.B. eine Immobilie) und wird keinen Cent sehen, bevor nicht die bevorrechtigten Schulden getilgt sind. Typischer weise bleibt nicht viel übrig für nicht abgesicherte Gläubiger, die keine speziellen Eigentumsrechte / Schutzrechte gegenüber dem Schuldner in der Hand haben.
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